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Aktuelles

Die Muharrem-Gedenktage

Das Massaker von Kerbela (eine Stadt im heutigen Irak) hat sich im Jahre 680 n.Chr. zugetragen. Nun sind 1.333 Jahre vergangen, aber das Martyrium von Hüseyin und sein standhafter Widerstand werden heute noch in Erzählungen und Gedenkzeremonien geehrt.

Auch die anatolischen Aleviten gedenken an den heiligen Hüseyin sowie auch an die 12 heiligen Imame, die seine Nachfahren waren. Jedes Jahr zu Beginn des islamischen Kalenderjahres, nämlich am 1. Muharrem (arabisch: muharram), beginnt für die Religionsgemeinschaft der Aleviten eine Gedenk- und Fastenzeit, die 12 Tage andauert.

Im Folgenden möchten wir auf das Massaker von Kerbela kurz eingehen:

 

Bei der Entstehung des Islams gab es nach dem Tod des Propheten Mohammad einen Streit um das Amt des Nachfolgers (Kalifen). Die Rivalitäten zwischen den verschiedenen Parteien, der Sunna und Schia, spitzten sich dermaßen zu, dass es zu Ermordungen von religiösen sowie politischen Vertretern kam.

Das politische Leben dieser Zeit war geprägt von Intrigen, Machtgier, Manipulationen und Morden. Insbesondere hat sich dieser Zustand bei dem Massaker von Kerbela auf‘s Schärfste zugespitzt. Während die Vertreter der Schia – diese Begrifflichkeit bedeutet „Partei“ bzw. „Fraktion“ – und beschreibt die Gruppe, die den heiligen Ali als Nachfolger des Propheten Muhammad’s legitimierte, daher Schiat-Ali/“Partei Ali’s“ – Ali’s Sohn Hüseyin als Würdenträger und Leiter der muslimischen Gemeinschaft sah, kämpfte Yezit /arabisch Yazid) , der Sohn Muaviye’s (Muaviye/ arabisch: Muawiya  ist aus dem Geschlecht der Omajaden/ türkisch: Emeviler ), gegen den heiligen Hüseyin, um das Kalifatsamt. Schon sei Vater Muaviye kämpfte gegen den heiligen Ali sowie dessen Sohn Hasan, welcher durch Gift ermordet wurde.

Nach der Überlieferung entfachte nach dem Tod des Kalifen Muaviye im Jahre 680 n. Chr. erneut ein Streit um das Amt des Kalifen. Muaviye’s Sohn Yezit schickte zahlreiche Botschaften an den heiligen Hüseyin, damit dieser auf den Anspruch des Amtes verzichtet. Der heilige Hüseyin entgegen lehnte jegliche Verhandlungen und Bestechungen von Yezit strikt ab und erwiderte stets, dass er sich für die Rechte der Unterdrückten und Arme in der Bevölkerung einsetzen werde. Als der heilige Hüseyin von Mekka aus nach Kufa (Stadt im heutigen Irak) reiste, weil seine Anhänger um Hilfe baten, eskalierte das politische Geschehen.

Bevor der heilige Hüseyin und 72 Personen seiner Familie und Anhängerschaft die Stadt Kufa erreichen konnten, wurden sie von der Armee des Yezit‘s bei der Wüstenebene von Kerbela eingekesselt. Eine Armee von Tausenden Soldaten stand gegenüber einer Gruppe von nur 72 Personen. Tagelang musste das Gefolge in der Wüstenhitze ohne Wasser und Nahrung ausharren. Dennoch huldigte der heilige Hüseyin den omajadischen Kalifen Yezit nicht und war bereit, für seine Überzeugung Widerstand zu leisten. Am 10. Tag des islamischen Monates Muharrem wurde die Gruppe von der Armee angegriffen und massakriert.

Dieses Ereignis hat sich folgenschwer in die islamische Geschichte eingebrannt. Bis heute führen die Schiiten (Anhänger der Schia) verschiedene Zeremonien und Rituale durch, um an das Martyrium des heiligen Hüseyin zu gedenken. Auch bei den anatolischen Aleviten spielt die Figur des heiligen Hüseyins (in diesem Kontext müssten wir eher von Pir Imam Hüseyin/ Hüseyin-i Kerbela sprechen) und die Ereignisse von Kerbela eine zentrale und bedeutende Rolle. Die Vorfahren der heutigen Aleviten wurden im seldschukischen Reich (13. Jhd.) von der Staatsmacht sowie –kirche unterdrückt und immer wieder blutig niedergeschlagen (Baba-i Aufstände). Auch im osmanischen Reich (1299 – 1923) hat sich die Serie der Unterdrückungen und Massaker über Jahrhunderte fortgesetzt. Mit der Gründung der türkischen Republik (1923), gab es eine Hoffnung auf Gleichstellung und Religionsfreiheit für die alevitische Bevölkerung, jedoch erwies sich dies als Trugschluss. Die Massaker und Übergriffe auf die alevitische Bevölkerung nahmen auch zur Zeiten der türkischen Republik kein Ende.

Daher identifizierten sich die Aleviten immer wieder mit dem heiligen Hüseyin und appellierten daran, dass sie dieselbe Leidensgeschichte erfahren. Ihr Leiden drückten sie mit der Geschichte Hüseyins aus. Die Schicksalsgemeinschaft und die Identifikation mit Hüseyin sowie den heiligen zwölf Imamen prägte das Alevitentum so sehr, dass jedes Jahr im Muharrem eine Gedenk- und Fastenzeit an ihn stattfindet. Nicht nur, aber insbesondere während dieser Zeit, solidarisieren sich die Aleviten mit Armen und Bedürftigen und üben Enthaltsamkeit und Verzicht.

Es haben sich verschiedene Traditionen und Rituale entwickelt für die Erinnerungs- und Gedenkkultur an die Geschehnisse in Kerbela. Um exemplarisch einiges zu benennen:

-       Verzicht von Fleisch, um Tiere zu schützen

-       Enthaltsamkeit

-       Spenden und Gaben an Arme und Bedürftige

-       Rezitation von Gesängen und Gedichten bei den Zusammenkünften

-       Sensibilisierung auf Ungerechtigkeit und Diskriminierung.

-       Konflikte und Streitigkeiten vermeiden/ Frieden stiften

Es ist nicht möglich, in diesem Rahmen auf Einzelheiten der Gedenk- und Erinnerungskultur einzugehen, jedoch lebt der heilige Hüseyin in den Herzen der anatolischen Aleviten weiter. Möge er bei uns sein und unsere Absicht würdigen.

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